Allgemein
Cloud, KI und Compliance – die IT-Schwerpunkte für 2026
Cloud, KI und Compliance prägen die IT-Agenda 2026. Der Artikel ordnet ein, welche Themen wirklich relevant sind, warum Überblick wichtiger wird als einzelne Tools und wie Unternehmen ihre IT-Schwerpunkte sinnvoll priorisieren können.
Martin Hämmerle
Der Jahresbeginn ist ein guter Zeitpunkt, um einen Schritt zurückzutreten und einzuordnen, welche Themen Unternehmen aktuell wirklich beschäftigen und welche davon auch mittelfristig relevant bleiben.
2025 war stark von Künstlicher Intelligenz geprägt. Die Entwicklung ist rasant, neue Möglichkeiten entstehen laufend. Auch wir haben intern bereits Prozesse mit Unterstützung von KI optimiert und in ersten Kundenprojekten sehr gute Erfahrungen gemacht. Gleichzeitig war das vergangene Jahr aber auch von viel Hype begleitet. In meinem LinkedIn-Netzwerk sind gefühlt über Nacht zahlreiche neue KI-Experten entstanden.
Das zeigt, wie groß das Interesse und das Potenzial dieses Themas ist. Es zeigt aber auch, dass zwischen technischer Machbarkeit und sinnvoller Nutzung im Unternehmenskontext oft noch eine Lücke besteht.
KI ist kein Allheilmittel. Der entscheidende Schritt liegt nicht in noch mehr Tools oder Experimenten, sondern in Integration, Qualität und Verantwortung. Genau hier beginnt 2026 für viele Unternehmen eine neue Phase: weg vom Ausprobieren, hin zu strukturierten, tragfähigen Lösungen.
2026 geht es für viele Unternehmen daher weniger um neue Experimente, sondern um die richtigen Schwerpunkte.
Cloud ist gesetzt
Cloud-Dienste sind in den meisten Unternehmen längst etabliert. Die Nutzung ist Standard und wird weiter zunehmen. Entsprechend bleiben Cloud-Architekturen und Migrationen auch 2026 ein relevantes Thema.
Während in den vergangenen Jahren vor allem die Frage im Vordergrund stand, ob und wie Systeme in die Cloud gebracht werden, rücken heute Kosten- und Ressourcensteuerung, Architektur, Governance, Security und Compliance stärker in den Mittelpunkt. Cloud ist nicht automatisch günstiger oder einfacher. Ohne saubere Architektur und laufende Kontrolle steigen Komplexität und Kosten schnell an. Themen wie FinOps, klare Verantwortlichkeiten und nachvollziehbare Betriebsmodelle werden dadurch entscheidend.
Zusätzlich wird die Diskussion rund um Datensouveränität und europäische Alternativen intensiver geführt. Politische Entwicklungen und regulatorische Anforderungen tragen ihren Teil dazu bei. Gleichzeitig sind US-amerikanische Cloud-Anbieter in vielen Unternehmen tief etabliert. Ob sich europäische Anbieter stärker durchsetzen oder hybride und Multi-Cloud-Ansätze zunehmen, bleibt abzuwarten. Themen wie Vendor Lock-in, Multi-Cloud-Governance und Cloud-Security sind konkrete Fragestellungen, mit denen sich Unternehmen auseinandersetzen müssen.
KI braucht Kontext
Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst im Alltag angekommen. Oft jedoch nicht über offiziell eingeführte Lösungen, sondern durch individuelle Nutzung einzelner Mitarbeitender. Texte werden zusammengefasst, Informationen recherchiert oder erste Analysen erstellt – häufig außerhalb klar definierter Prozesse und ohne zentrale Steuerung.
Das eigentliche Problem ist dabei weniger die Technologie selbst, sondern der fehlende Kontext. Ohne klare Regeln, saubere Datenbasis und definierte Verantwortlichkeiten bleibt der Einsatz von KI unkoordiniert. Um aus dieser punktuellen Nutzung nachhaltigen Mehrwert zu schaffen, muss KI in bestehende Systeme und Prozesse eingebettet werden. Erst wenn Daten, Abläufe und Verantwortlichkeiten zusammenspielen, kann KI gezielt entlasten, Effizienz steigern und messbaren Nutzen liefern.
Je tiefer KI in Geschäftsprozesse integriert wird, desto stärker rücken klassische IT-Fragestellungen in den Vordergrund. Architektur, Schnittstellen, Betrieb, Monitoring und Sicherheit werden zu entscheidenden Faktoren. Governance und Compliance werden damit zur Grundvoraussetzung für einen verlässlichen und nachhaltigen Einsatz.

Cybersecurity rückt ins Zentrum
Angriffe auf Unternehmen nehmen spürbar zu. Erfolgreiche Hacks sind längst keine Ausnahme mehr und betreffen nicht nur große Konzerne oder internationale Organisationen. Auch im Ländle kommt es immer wieder zu Vorfällen. Die Schäden gehen dabei weit über technische Probleme hinaus. Produktionsausfälle, eingeschränkte Geschäftsprozesse, Datenverluste und Imageschäden führen schnell zu hohen Kosten. Spätestens an diesem Punkt wird deutlich, dass IT-Sicherheit kein reines IT-Thema ist, sondern ein unternehmerisches Risiko darstellt.
Trotzdem ist IT-Sicherheit in vielen Organisationen noch nicht ganzheitlich verankert. Maßnahmen werden oft punktuell umgesetzt, Zuständigkeiten sind unklar und es fehlt ein übergreifender Blick auf Risiken, Abhängigkeiten und Abläufe. Sicherheit wird häufig erst dann priorisiert, wenn bereits etwas passiert ist.
Regulatorische Anforderungen wie DORA, NIS2, der Cyber Resilience Act und der EU AI Act sind für viele Unternehmen nicht mehr optional, sondern verbindlich umzusetzen. Sie sind der Versuch, Mindeststandards für Sicherheit, Verantwortung und Nachvollziehbarkeit zu schaffen. IT-Security wird damit zunehmend auch zur Führungsaufgabe.
Das Thema ist vielschichtig. Gerade für Unternehmen ohne große IT-Abteilungen ist das herausfordernd. Bevor man sich technisch im Detail verliert, sollte man daher mit grundlegenden Fragen starten: Wer trägt Verantwortung? Welche Risiken sind akzeptabel? Welche Prozesse greifen im Ernstfall?
Wenn bestehende Systeme zur Bremse werden
In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass bestehende Altsysteme zur Bremse werden und zugleich ein Risiko darstellen. Anwendungen sind über Jahre gewachsen, Know-how ist teilweise verloren gegangen und die Wartbarkeit nicht mehr langfristig gesichert.
Altsysteme erfüllen oft weiterhin ihren Zweck, häufig jedoch nur eingeschränkt. Neue Anforderungen rund um Cloud-Anbindung, Datenintegration, Security oder Automatisierung lassen sich nur mit hohem Aufwand oder gar nicht mehr abbilden. Gleichzeitig steigt der Druck durch abgekündigten Support, fehlende Updates oder personelle Abhängigkeiten.
Software-Modernisierung ist selten ein einzelnes Projekt, sondern eine langfristige Aufgabe. Es geht weniger darum, bestehende Systeme auszutauschen, sondern darum, wie gut sie den Arbeitsalltag unterstützen. Viele Effizienzverluste entstehen dort, wo Prozesse nicht durchgängig sind, Daten mehrfach erfasst werden oder Systeme nicht miteinander sprechen.
Moderne IT soll genau diese Reibungsverluste reduzieren: Abläufe vereinfachen, Systeme integrieren und Automatisierung dort einsetzen, wo sie tatsächlich entlastet. Eine stabile, zeitgemäße Systemlandschaft wird damit zu einem zentralen Hebel für Effizienz und Weiterentwicklung.

Im Gesamtkontext betrachtet
Betrachtet man diese Themen im Gesamtkontext, wird deutlich: Sie lassen sich nicht mehr isoliert denken. Entscheidungen in einem Bereich wirken sich unmittelbar auf andere aus und entfalten ihre Wirkung oft erst im Zusammenspiel.
Mit Cloud, KI, Security und zunehmender Regulierung ist der technologische Wandel enorm. Gleichzeitig verändert sich mit diesen Entwicklungen vor allem die Rolle der IT. Sie ist kein Selbstzweck und kein reiner Kostenfaktor mehr, sondern zunehmend ein Enabler für effiziente Abläufe und ein strategischer Faktor für Unternehmen. Mit dieser Bedeutung steigen auch die Anforderungen. Zusammenhänge werden komplexer, Abhängigkeiten größer und die Auswirkungen von Entscheidungen langfristiger.
Einzelne Maßnahmen oder punktuelle Projekte greifen dabei immer seltener. Gefragt sind Menschen, die Zusammenhänge verstehen, den Überblick behalten und technische, organisatorische und regulatorische Aspekte im Gesamtkontext denken.
Fazit
Was bedeuten diese Entwicklungen konkret für Unternehmen im Jahr 2026?
Vor allem eines: den eigenen Status ehrlich zu betrachten. Wo stehen wir heute? Wie sind unsere Systeme aufgestellt? Wo entstehen Reibungsverluste, Risiken oder Abhängigkeiten?
Bevor neue Initiativen gestartet werden, braucht es Überblick. Einen klaren Blick auf bestehende Systemlandschaften, Prozesse und Verantwortlichkeiten. Erst auf dieser Basis lassen sich Prioritäten sinnvoll setzen und Entscheidungen fundiert treffen.
Nicht alle Themen können und müssen gleichzeitig angegangen werden. Entscheidend ist ein klarer, realistisch umsetzbarer Plan: Welche Themen sind kurzfristig kritisch, welche mittelfristig relevant und welche können bewusst warten? Wer strukturiert vorgeht und Themen aufeinander aufbaut, schafft Stabilität und vermeidet unnötige Komplexität.
Gerade weil sich technologische Entwicklungen und regulatorische Anforderungen gegenseitig beeinflussen, wird diese bewusste Herangehensweise zum Erfolgsfaktor. Unternehmen, die sich jetzt strukturiert aufstellen und ihre Themen bewusst priorisieren, schaffen damit eine tragfähige Grundlage für die kommenden Jahre.
Martin Hämmerle